Der Neubeginn bis zum 75-jährigen Jubiläum (1946-1981)
Die Fanfarenbläser

Der Neubeginn bis zum 75-jährigen Jubiläum (1946-1981)

Nach dem zweiten Weltkrieg waren alle uniformierten Vereine sowie Vereinsgründungen zunächst seitens der Militärregierung verboten. Im Frühjahr 1946 wurde die Erlaubnis von Gründungen freiwilliger Feuerwehren erteilt, die auch Spielmannszüge in ihrer Vereinstruktur aufnehmen konnten. Glückliche Fügung war es, dass der ehemalige Tambourmajor Hermann Stockhausen zum Brand-meister der freiwilligen Feuerwehr Züschen aufgestiegen war. Seine Intervention führte zur Wiederbegründung des Spielmannszuges.

Mit Aloys Kappen, Norbert Oberließen, Ernst Ante, Josef Völlmecke, Theo OÖberließen, Gustav Tielke und Reinhold Oberließen hatten sich zunächst sieben Männer zusammen gefunden. Die Instrumente wurden von den ehemaligen Mitgliedern zur Verfügung gestellt oder von den Angehörigen an das neue Korps übergeben. Als Uniform wurde selbstverständlich die Feuerwehruniform getragen. Erster Tambourmajor nach dem Krieg wurde Aloys Kappen (Vater des heutigen Stabführers Reinhard Kappen). Er und Jasef Völlmecke übernahmen die Schulung der neuen Mitglieder. Als Übungsraum diente die Freizeithütte von Robert Völlmecke im Siepen.

Tambourmajor Aloys Kappen, 1. Reihe von links: Theo Oberließen, Heinrich Niggemann, Franz Peis und Karl Reuter Der erste öffentliche Auftritt stand allerdings unter keinem guten Stern. Anlässlich der Beisetzung von Reinhard Tielke spielte man vom Trauerhaus bis zum Friedhof einen Trauermarsch. Am offenen Grab wurde dem Verstorbenen mit dem Choral „Wie sie so sanft ruhen” die letzte Ehre erwiesen.

So langsam nahm das normale Leben in Züschen wieder Formen an. Im Juni 1947 wurde das erste Volksfest nach langer Zeit von der Feuerwehr durchgeführt. An der Spitze des Festumzuges marschierte der Spielmannzug. Ebenfalls beim ersten Schützenfest (30.08. – 01.09.1947).

Das Vogelschießen mit Gewehren war streng verboten. So wurde der Vogel mit Keulen abgeworfen. Schützenkönig wurde Flötist Karl Reuter. Er war nicht nur der erste Schützenkönig nach dem zweiten Weltkrieg, sondern auch der erste König, den der Spielmannszug Züschen stellte.

Schützenkönig Karl Reuter mit Königin Anneliese
Schützenkönig Karl Reuter mit Königin Anneliese

Bis heute eiferten ihm 13 aktive Mitglieder nach und errangen am Schützenfestmontag in der Uniform des Spielmannszuges die Königswürde.

  • 1948 Anton Völlmecke
  • 1953 Alfons Kleinsorge
  • 1958 Reinhard Niggemann
  • 1959 Bruno Oberließen
  • 1964 Willi Völlmeke
  • 1971 Clemens Ante
  • 1974 Wolfgang Lange
  • 1979 Klaus Oberließen
  • 1987 Andreas Oberließen
  • 1988 Achim Lücke
  • 1990 Edmund Kappen
  • 1995 Siegfried Schnorbus
  • 1997 Joachim Blüggel

Mitglied Rudolf Schnorbus errang 1994 die Königswürde in Liesen. Damit stellt der Spielmannszug von allen Vereinen des Dorfes die meisten noch lebenden Schützenkönige.

Vereinsleben in den 50 er Jahren
Vereinsleben in den 50 er Jahren, im Vordergrund von links: Karl und Anneliese Reuter, Elisabeth und Franz Peis und Hildegard und Klemens Kleinsorge

Durch regelmäßiges und intensives Proben stellten sich auch die musikalischen Erfolge ein. Der junge Verein erntete von allen Seiten Anerkennung und Unterstützung. Ebenfalls 1947 spielte man zum ersten Mal in Liesen zum Schützenfest auf. Ununterbrochen bis zum Jahr 2002 bildete der Spielmannszug jedes Jahr die Spitze des Sonntagsumzuges beim Liesener Schützenfest.

Bei vielen Festivitäten war der Spielmannszug nun mit von der Partie. Gute Kameradschaft wurde selbstverständlich von Anfang an gepflegt. Kam ein Ehemaliger aus der Gefangenschaft zurück, wurde ihm natürlich ein Ständchen gebracht. Um mit den Musikkapellen gemeinsame Märsche aufzuführen, wurden entsprechende neue Stücke einstudiert. 

Schützenfest 1948, von links: Aloys Kappen, Jahannes Reuter, Theo Öberließen, Josef Völlmecke, Königin Maria Ante, König Anton Völlmecke, Klemens Ante, Klemens Kleinsorge, Fritz Wöllmecke und Karl Reuter (die beiden jungen Männer im Hintergrund sind uns nicht bekannt)
Trommler – „Noten“ aus der Nachkriegszeit: „Mit Sang und Klang“ (Bauernmarsch) und „Die lustigen Füsiliere”
Von Links: Karl Reuter (Kunrodes), Franz Peis (Schulten) und Klemens Kleinsorge (Stratmanns)

Aloys Kappen stellte sich 1951 nicht mehr zur Wahl des Tambourmaiors. Allerdings räumte er ein, weiterhin als Berater und Aushilfstambourmajor dem Verein zur Verfügung zu stehen. Franz Peis wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Seinen ersten Auftritt hatte er beim Fastnachtsumzug 1951. Unter seiner Führung wurde der erste Wettstreit nach Kriegsende im gleichen Jahr in Grafschaft besucht. Es wurden die ersten Plätze erreicht. 

Abfahrt zum Wettstreit nach Grafschaft 1951
Abfahrt zum Wettstreit nach Grafschaft 1951 Yon links: Klemens Ante, Franz Peis, Albert Kleinsorge, Theo Oberließen, Heinrich Niggemann, Karl Reuter, Alois Kleinsorge, Josef Völlmecke, Alfons Kleinsorge und Leo Blüggel

Auf Grund der bisherigen erfolgreichen \Vereinsarbeit beschloss man, auch in Züschen einen Tambourwettstreit durchzuführen. Im fünfundvierzigsten Jahr des Bestehens wurde nun erstmalig im eigenen Ort ein Wettstreit veranstaltet, an dem zwölf Vereine teilnahmen.

Die Idee, die Nachwuchsarbeit voran zu bringen, ging voll auf. Es meldeten sich spontan sieben junge Männer, um das Flöten- und Trommelspielen zu erlernen. Die Ausbildung der neuen Musikanten übernahm Alfons Kleinsorge (Trommel) und Theo Öberließen (Flöten). Theo Oberließen wurde später zum ersten Vorsitzenden gewählt und führte viele Jahre den Verein. Alle neuen Spielleute schafften problemlos den Sprung in das Tambourkorps. Somit war der Verein zahlenmäßig gut besetzt. Erfolgreich besuchte man zwei Wettstreite in Brilon und Winterberg.

Auszug aus dem Kassenbuch von 1952/53
Auszug aus dem Kassenbuch von 1952/53
Der Spielmannszug bei einem Wettstreit am 06.06.1954 in Winterberg
Der Spielmannszug bei einem Wettstreit am 06.06.1954 in Winterberg
Ebenfalls beim Wettstreit 1954 in Winterberg
Ebenfalls beim Wettstreit 1954 in Winterberg

Tambourmajor Franz Peis musste im Jahr 1955 aus beruflichen Gründen sein Amt aufgeben. In einer außerordentlichen Generalversammlung wurde Leo Blüggel zum neuen Tambourmajor gewählt. Unter seiner Führung wurde die Notenschulung wesentlich verbessert.

Franz Peis
Franz Peis
Leo Blüggel
Leo Blüggel

Im Jahr 1959 begleitete man zum ersten Mal den Sonntagsfestzug beim Schützenfest in Neuastenberg (bis heute ununterbrochen).

Schützenfestumzug Ende der Fünfziger Jahre vor Peters
Schützenfestumzug Ende der Fünfziger Jahre vor Peters
Von links: Theo Oberließen, Bruno Oberließen, Willi Yöllmecke, dahinter Flötist Günter Ante, Trommler Josef Völlmecke, Flöstist Josef Tielke, Trommler Bernd Spanke und Severin Kappen

Um die musikalische Attraktivität zu steigern, wurde der Vorschlag von Gönnern und Freunden des Vereins in die Tat umgesetzt, Fanfaren mit in das Korps zu integrieren.

Leo Blüggel, Leo Wöllmecke, Günter Ante und Bruno Oberließen waren bereit, das Fanfarenspielen zu erlernen. Die zunächst gemeinsamen Übungsstunden gestalteten sich schwierig. Um die Proben intensiver durchführen zu können, wurde in einer General-versammlung beschlossen, dass der Fanfarenzug dem Spielmannszug anzugliedern ist. Allerdings war ein öffentlicher Auftritt nur gemeinsam möglich. Ebenfalls wählte man während dieser Versammlung einen richtigen Vorstand:

  • 1. Vorsitzender Alois Kleinsorge
  • 2. Vorsitzender Theo Oberließen
  • Geschäftsführer Günter Ante
  • Tambourmajor Leo Blüggel
  • Vertreter Willi Völlmeke
Auszug aus dem Kassenbuch von 1960
Auszug aus dem Kassenbuch von 1960

In den nun getrennt durchgeführten Übungsstunden beider Abteilungen war der Fanfarenzug bald ausgebildet. Es war ein imposantes Bild, wenn der Spielmannszug mit den Fanfaren die Festzüge anführte.

Allerdings gab es im Fanfarenzug Stimmen, die immer mehr die Eigenständigkeit beider Vereine forderten. Die Situation hatte sich im Herbst 1961 so zugespitzt, dass Tambourmajor Leo Blüggel und einige Mitglieder der Fanfarenzug-Abteilung zurücktraten. Willi Wöllmeke wurde dann zum neuen Tambourmajor gewählt. Zunächst wurde die Fanfarenzug Abteilung weiter ausgebildet durch den damaligen Dirigenten des Musikvereins Züschen, Martin Kielmann. Weitere Unstimmigkeiten führten aber dazu, dass diese Abteilung 1964 endgültig aufgelöst wurde. Noch heute, 42 Jahre später, wird unter den Oldies des Vereins nicht gerne über dieses Thema gesprochen. Sicherlich war dies nicht ein Glanzpunkt in unserer Geschichte.

Die Fanfarenbläser
Die Fanfarenbläser
Der Spielmannszug mit Fanfarenzug
Der Spielmannszug mit Fanfarenzug

Mit einer Stammmannschaft von 17 Spielleuten wurde dann mit großem Einsatz gezielt geprobt und so wurde dann auch der letzte Ärger beseitigt.

Schützenfestumzug in Medelon 1964
Schützenfestumzug in Medelon 1964

Die Aktiven des Vereins bemühten sich mit großem Erfolg um die Nachwuchsgewinnung. Die neu gewonnenen jungen Männer erlernten problemlos das Flöten- und Trommelspiel. Die Schlagzeuger wurden von Willi Völlmeke unterrichtet. Severin Kappen führte die Schulung der Flötisten durch. Er hatte sehr früh die Zeichen der Zeit erkannt. Um die Konzertstücke und Märsche musikalisch vielseitiger darzubieten, führte er die Ausbildung an Alt-, Diskant-, und Tenorflöte ein. Seinem unermüdlichen Einsatz hat der Spielmannszug viel zu verdanken. Bis zur Aufnahme von Mädchen in den Verein, bildete unser „Sepp” alle Flötisten aus. Darüber hinaus wurde er Mitte der 80er Jahre zum hauptamtlichen Übungsleiter bestimmt und leitete die Übungsstunden bis zu Beendigung seiner Spielmannszugzeit im Jahr 1999. Interessant ist, dass seine Tochter Uta seinen Fußstapfen folgte und als Übungsleiterin bis zum Sommer 2005 fungierte. Der Spielmannszug Züschen ist besonders Severin Kappen zu großem Dank verpflichtet. Noch heute lässt er es sich nicht nehmen sporadisch die Übungsstunden zu besuchen und feilscht nach wie vor an Haltung und Tempo. Severin hat es beim Ständchen zu seinem 65. Geburtstag selbst formuliert: „Der Spielmannszug, der war mein Leben.”

Wettstreit in Erndtebrück
Wettstreit in Erndtebrück
Kinderschützenfest in Züschen 1976, Königspaar waren Markus Winzenick und Claudia Peis
Kinderschützenfest in Züschen 1976, Königspaar waren
Markus Winzenick und Claudia Peis

In den sechziger und siebziger Jahren begleitet das Korps auch die Sonntagsfestzüge bei den Schützenfesten in Berge, Medelon, Dreislar und Winterberg sowie in Neuastenberg und Liesen. Darüber hinaus war es zur Pflicht geworden mindestens einen Tambourwettstreit pro Jahr zu besuchen. Ende der sechziger Jahre wurde dann auch mal wieder in Züschen ein Wettstreit veranstaltet.

Die Nachwuchslage war so gut, dass bei einer Generalversammlung beschlossen wurde für zwei Jahre keine Neuaufnahmen zuzulassen. Zu dieser Zeit wurden die Übungsstunden in der „Alten Schule“ im gemeinsamen Raum der Freiwilligen Feuerwehr Züschen durchgeführt. Im Winter musste sehr früh der Ölofen beheizt werden, um eine Probe überhaupt erst möglich zu machen.

Nach dem Umbau der Schützenhalle konnte für die späteren Jahre der Speiseraum für die wöchentlichen Zusammenkünfte genutzt werden. Zur Pflege der Kameradschaft traf man sich im Vereinslokal Gasthof Lumme (bis 1992). Hier wurden alle Siege und Niederlagen bei Wettstreiten begossen und natürlich traf man sich hier zu auswärtigen Einsätzen.

Der Spielmannszug 1976 mit neuen Uniformen
Der Spielmannszug 1976 mit neuen Uniformen

Anfang der siebziger Jahre verfügte das Korps über so viele Jugendliche, dass man bei Wettstreiten mit einer eigenen Jugendabteilung antreten konnte. Die Stabführung für diese Abteilung hatte bereits damals unser heutiger Tambourmajor Reinhard Kappen inne. Nach der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 rückte die Dorfgemeinschaft Züschen immer näher zusammen. Der Verein beteiligte sich stets bei Aktion „Saubere Landschaft‘ sowie bei vielen Verschönerungsmaßnahmen im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“. Gemeinsam mit dem Musikverein Züschen wurde im Sommer eine rege Konzertätigkeit in unserem Ort durchgeführt.

 Ebenfalls 1976 bei einem Konzert auf as: -Platz“
Ebenfalls 1976 bei einem Konzert auf as: -Platz“
Abschrift eines Original-Briefes aus dem Jahr 1973
Abschrift eines Original-Briefes aus dem Jahr 1973

So blickte das Korps solide dem Jubiläumsjahr 1981 entgegen und war zu diesem Zeitpunkt ein sehr leistungsstarker Spielmannszug der viele Erfolge bei Wettstreiten zuletzt sogar in der Sonderklasse zu verzeichnen hatte.