1. Steubenparade New York / Rundreise Ostküste USA 1993

1. Steubenparade New York / Rundreise Ostküste USA 1993

Als krönender Abschluss des Jahres 1993 (750 Jahre Züschen) ging unsere erste Reise nach Amerika in die Vereinsgeschichte ein. Seit drei Jahren wurde eifrig gespart und die Vorbereitungen für diese Reise liefen ca. zwei Jahre lang. Vorsitzender Burkhard Schnorbus hatte mit Spielleuten des Tambourkorps Grafschaft gesprochen. Diese berichteten von ihrer Teilnahme an der wohl größten Musikparade der Welt. Animiert von diesen Berichten, überzeugte er uns, auch eine entsprechende Reise zu planen und in die Tat umzusetzen. Mit 80 aktiven und passiven Mitgliedern startete man am 16. September um 05.00 Uhr Richtung Frankfurt. Für viele Mitreisenden war es der erste Flug überhaupt und so hatte mancher seine ganz persönlichen Probleme mit dem Flug.

 

Nach Ankunft in Amsterdam war am Flughafen ein ca. zweieinhalbstündiger Aufenthalt. Dann bestieg man die Boing 747 und flog über den „großen Teich“ nach New York. Beim Transfer zum Roosevelt-Hotel wurden die ersten Eindrücke dieser Metropole gewonnen. Das Hotel machte von außen und auch zunächst von innen einen feudalen Anschein. Doch nach Bezug der Zimmer war man einmütig der Meinung „außen hui, innen pfui“.

Nach der ersten Nacht in der neuen Welt starteten wir am Morgen mit einer Stadtrundfahrt. Zwischenzeitlich wurden wir zusammen mit anderen deutschen Vereinen am Rathaus durch den Bürgermeister von New York offiziell begrüßt. Am Nachmittag wurde die Besichtigung per Schiff auf dem Houston-River fortgesetzt.

Nach dem Collesterin-haltigen Frühstück am anderen Tag stand der erste Höhepunkt auf dem Programm. Zunächst nahmen viele am Gottesdienst in der St. Patrick Kathedrale teil, bevor es dann zum Aufstellungsort der Parade ging. Nach ca. zwei Stunden durften wir endlich aufmarschieren entlang der berühmten 5th Avenue. Fast jedem lief es eiskalt den Rücken herunter, als die Lautsprecherstimme rief:

„And now, Ladies and Gentleman, there is coming the Spielmannszug Züschen!”

Am Sonntag früh morgens nahmen wir im strahlenden Sonnenschein Abschied von der 7-Millionen Metropole und wir begannen mit der Rundreise durch den Östen der USA. Die alte Hauptstadt Amerikas Philadelphia stand zunächst auf dem Programm. Nach der obligatorischen Stadtrundfahrt wurde das Hotel bezogen. Im Gegensatz zu unserer Behausung in New York waren wir super unterbracht. Nach abendlichen individuellen Exkursionen reisten wir am nächsten Tag nach Washington. Doch zuvor ereignete sich noch eine kleine Anekdote. Heinz Lange, oder besser in Züschen bekannt unter dem Namen „Computer-Heinz”, versuchte sich immer, in Englisch verständlich zu machen. Beim Frühstück fehlte an seinem Platz die Gabel. So rief er die Kellnerin zu sich und bat in Englisch um ein entsprechendes Essgerät: „Here is no Gable on the table”. Diese Aktion brachte ihm einen zusätzlichen Kosenamen ein: „Mister Gable”.

In Washington wurden alle wichtigen Sehenswürdigkeiten ins Visier genommen: Kapitol, Lincoln Denkmal, Jefferson Memorial und natürlich das Weiße Haus.

Das „weiße Haus“
Das „weiße Haus“
Kapitol in Washington
Kapitol in Washington

Jeder für sich konnte auch noch die verschiedenen Museen der Stadt aufsuchen. Am Spätnachmittag war im „Old Post Office” ein Konzert von uns geplant. In den Kellerräumen musste sich umgezogen werden. Leider war diese Veranstaltung nicht angekündigt und nur wenige lauschten unseren Klängen.

Richtung Willlamsport fuhren die Busse dann am nächsten Tag. Hier war lediglich ein Zwischenstopp zur Anreise gen Norden geplant. Im Sheraton-Hotel wurden wir gleich mit einem Begrüßungscocktail und Käsehäppchen „standesgemäß“ empfangen. Man genoss so richtig in vollen Zügen die Annehmlichkeiten dieses tollen Hotels. Am Donnerstag fuhren wir dann weiter an Buffalo und Rochester vorbei in Richtung Niagara Falls. Nach der Einreise nach Kanada überquerten wir die Rainbow-Bridge und sahen die gewaltigen und die berühmtesten Wasserfälle der \Welt zum ersten Mal. Nach Bezug des Hotels konnte jeder auf eigene Faust die Umgebung erkunden.

Niagara Fälle
Niagara Fälle

Am Abend stand wieder ein Konzertauftritt an. Am Veranstaltungsort angekommen, wurden wir herzlich empfangen. Nach dem Essen (es gab Schnitzel) bereiteten wir unseren Auftritt vor. Was wir nicht wussten, war, dass man uns als „German Dance Band“ angekündigt hatte. Die ca. 120 Zuschauer erschienen in festlicher Abendrobe. Bei der Aufstellungsprobe schaffte es unser Tambourmajor, Reinhard Kappen, die Spitze des Tambourstabes abzubrechen, der jedoch schnell mit einem Ast und Textilklebeband wieder geflickt wurde. Zunächst führten wir den Zuschauern unsere Konzertstücke vor, die allerdings nur mit spärlichem Applaus bedacht wurden. Dann dirigierte Severin Kappen „Die Mühle im Schwarzwald”. Was Severin nicht sah, brachte uns fast alle aus der Fassung. An der langsamsten Stelle des Konzertstückes, die in den Noten überschrieben war mit „Idylle am Bach”, standen die Leute auf und tanzten im Walzertakt. Trotz der bei vielen einsetzenden Lachkrämpfe und der ernsten Mimik von Severin wurde „die Mühle” zu Ende gespielt. Ein bis dahin noch nie da dagewesenes Auftrittserlebnis.

Ab jetzt wurden alle Register unseres Stimmungs-repertoires gezogen. Andreas Oberließen fungierte als Animateur und machte mit dem Publikum eine Polonäse nach der anderen durch den Saal. Zum Abschluss führten wir noch den Marsch „Alte Kameraden” auf.

Am anderen Tag fuhren wir weiter nach Toronto. Der Höhepunkt der Stadtrundfahrt war die Auffahrt zum 560 m hohen CN-Tower. Nach einem guten Frühstück am nächsten Morgen und einem Einkaufsbummel im größten kanadischen Einkaufcenter, dem Eaton – Centre, war unser erster AmerikaAufenthalt fast zu Ende.

Gegen 19.00 Uhr startete unser „Flieger” Richtung Amsterdam. Leider hatten wir dort einen siebenstündigen Aufenthalt bis zum Weiterflug nach Frankfurt. Die meisten von uns nutzen diese Zeit für ein nicht gerade bequemes Schläfchen. In Frankfurt wurden wir mit Krombacher Bier durch unseren Ludger herzlich begrüßt und die letzte Etappe bis nach Züschen wurde mehr oder weniger fit verbracht.

Alles in Allem war dies ein Erlebnis, das uns sicherlich immer in Erinnerung bleibt und letztlich sofort wieder der Wunsch bestand, diese Reise zu wiederholen. An diese Stelle sei unserem ehemaligen ersten Vorsitzenden Burkhard Schnorbus herzlich gedankt für die hervorragende Organisation.